Vaters Mantel (Live 2015)
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🆔 ID: 25983565
📜 Lyrics
Vaters Mantel
Er sitzt auf dem Küchentisch im Schneidersitz
In der kleinen Küche, verstreut um ihn liegen
Kreide, Stoffbahnen, Schnipsel und Garn
Er summt vor sich hin und seine Hände fliegen
Sie führen Nadel und Faden geschickt
Pfeilschnell und wohlbedacht durch das Gewebe
Hebt die Hand, hält inne, hält Nadel und Garn
Für einen prüfenden Blick in der Schwebe
Die Kinder kennen das Bild nur zu gut
Das Zuschneiden, Auftrennen, Nähen und Messen
Sie woll'n, dass der Tisch wieder ihnen gehört
Für die kurze Zeit vor dem Abendessen
Und sie fragen die Mutter, was näht er denn grad'
Und die Mutter flüstert, fast als wär's ein Verrat:
Vaters Mantel
Vaters Mantel
Er näht ihn aus schweren kostbaren Tuch
Er näht ihn für immer, er näht ihn mit Liebe
Das hat er gelernt, als er vierzehn war
Und noch immer spürt er die Rohrstockhiebe
Wenn der Meister in blinden Zorn geriet
Weil ein Muster sich nicht in ein Muster fügte
Unsichtbar, kaum einen Faden breit
Und das kleinste Versehen mit Schlägen rügte
Vom ersten Tageslicht bis in die Nacht
Und keinen Feiertag gab's bei dem Schinder
Zu fünft waren sie und sie nähten für ihn
Zu fünft und sie waren noch allesamt Kinder
Die Nähstube kalt und der Lohn jämmerlich
Aber diesen Mantel, den näht er für sich
Vaters Mantel
Vaters Mantel
Zu Haus acht Geschwister in karger Zeit
Er bringt sie durch mit dem Geschick seiner Hände
Näht, bügelt, wäscht für sie und er füllt
Ihre Teller, wenn's eng wird zum Monatsende
Er heftet den Kragen an das Revers
Um das Fischgrätmuster genau anzusetzen
Zieht das seidige Futter ein und er sieht
Sich heimkehren aus dem Krieg in einem Fetzen
Sieht sich im gottverlassenen Unterstand
Noch für all die andern armen Teufel nähen
Fußlappen aus Fahnen und Uniform
Auf denen sie jetzt in Gefangenschaft gehen
Den Krümel Tabak teilt er brüderlich
Aber diesen Mantel, den näht er für sich
Seinen Mantel
Vaters Mantel
Er hat ihn betrachtet mit stillem Stolz
Die Stulpen am Ärmel, der aufrechte Kragen
Die Knöpfe, die Patten, die schnurgrade Naht
Im Dorf hat noch keiner so einen getragen
Er näht für die Frau und die Kinder jetzt
Macht Hosen und Rock, Neues aus alten Dingen
Näht Kleider und Mützen für das Dorf
Aus den Stoffresten, die ihm die Leute bringen
Sie kommen gern auf einen kleinen Schwatz herein
Wenn sie das fertige Stück bei ihm abholen
Sie loben die Arbeit und zahlen den Lohn
Und durch die Küchentür blicken sie verstohlen
In die Stube: Da hängt er fein säuberlich
Ein Meisterstück Stich für Stich
Vaters Mantel
Vaters Mantel
Ich sehe ihn vor mir im Schneidersitz
Um ihn herum verstreut Schnipsel und Stoffreste
Das Maßband ausgerollt um seinen Hals
Bunte Fäden wie Orden auf seiner Weste
Er hat mir den Mantel geschenkt, als er
Ihm groß geworden war in späten Jahren
Er hat mich geadelt mit dem Geschenk
Und dem Vertrauen, ihn in Ehren zu bewahren
Das gute Tuch, neu wie am ersten Tag
Die Stulpen am Ärmel, der aufrechte Kragen
Ich trag ihn und trag die Erinnerung
An den Schneider an ganz besonderen Tagen
Mit Erfurch, Freude und feierlich
Ich bin mir bewusst, heut trage ich
Vaters Mantel
Mit Erfurcht, Freude und feierlich
Ich bin mir bewusst, heute trage ich
Vaters Mantel
Ich habe eine große Bewunderung und eine aufrichtige Hochachtung
Für alle Menschen, die ihre Arbeit mit Lust und Liebe und mit Hingabe tun
Und wenn sie sie dann auch noch für mich tun
Dann mischt sich etwas wie zärtliche Dankbarkeit in die Bewunderung
Wie für meinen Schwiegervater, der mir diesem prächtigen Mantel geschenkt hat
Wie für die Näherin, die mir mein schönes Hemd genäht hat
Und wie für die Friseurin, die mir diesen trendigen Haarschnitt verpasst hat
Bereits im März dieses Jahres
Und er hält immernoch! Das ist Wertarbeit
Ich werde es weitergeben
Das nenn ich Nachhaltigkeit bei der Frisur
Ich habe eine Bewunderung für den Meister, der aus ein paar Stücken Holz dieses wunderbare Instrument geschnitzt hat
Bewunderung, für alle die ihren Weg gehen, die ein Ziel haben, die eine Vision haben und die an ihren Idealen festhalten
Und wenn sie daran scheitern, dann tut es meiner Bewunderung und meiner Hochachtung keinen Abbruch
Aus diesen Gedanken hab ich vor ein paar Jahren ein Lied über Otto Lilienthal
Den ersten Menschen, der fliegen konnte geschrieben
Er sitzt auf dem Küchentisch im Schneidersitz
In der kleinen Küche, verstreut um ihn liegen
Kreide, Stoffbahnen, Schnipsel und Garn
Er summt vor sich hin und seine Hände fliegen
Sie führen Nadel und Faden geschickt
Pfeilschnell und wohlbedacht durch das Gewebe
Hebt die Hand, hält inne, hält Nadel und Garn
Für einen prüfenden Blick in der Schwebe
Die Kinder kennen das Bild nur zu gut
Das Zuschneiden, Auftrennen, Nähen und Messen
Sie woll'n, dass der Tisch wieder ihnen gehört
Für die kurze Zeit vor dem Abendessen
Und sie fragen die Mutter, was näht er denn grad'
Und die Mutter flüstert, fast als wär's ein Verrat:
Vaters Mantel
Vaters Mantel
Er näht ihn aus schweren kostbaren Tuch
Er näht ihn für immer, er näht ihn mit Liebe
Das hat er gelernt, als er vierzehn war
Und noch immer spürt er die Rohrstockhiebe
Wenn der Meister in blinden Zorn geriet
Weil ein Muster sich nicht in ein Muster fügte
Unsichtbar, kaum einen Faden breit
Und das kleinste Versehen mit Schlägen rügte
Vom ersten Tageslicht bis in die Nacht
Und keinen Feiertag gab's bei dem Schinder
Zu fünft waren sie und sie nähten für ihn
Zu fünft und sie waren noch allesamt Kinder
Die Nähstube kalt und der Lohn jämmerlich
Aber diesen Mantel, den näht er für sich
Vaters Mantel
Vaters Mantel
Zu Haus acht Geschwister in karger Zeit
Er bringt sie durch mit dem Geschick seiner Hände
Näht, bügelt, wäscht für sie und er füllt
Ihre Teller, wenn's eng wird zum Monatsende
Er heftet den Kragen an das Revers
Um das Fischgrätmuster genau anzusetzen
Zieht das seidige Futter ein und er sieht
Sich heimkehren aus dem Krieg in einem Fetzen
Sieht sich im gottverlassenen Unterstand
Noch für all die andern armen Teufel nähen
Fußlappen aus Fahnen und Uniform
Auf denen sie jetzt in Gefangenschaft gehen
Den Krümel Tabak teilt er brüderlich
Aber diesen Mantel, den näht er für sich
Seinen Mantel
Vaters Mantel
Er hat ihn betrachtet mit stillem Stolz
Die Stulpen am Ärmel, der aufrechte Kragen
Die Knöpfe, die Patten, die schnurgrade Naht
Im Dorf hat noch keiner so einen getragen
Er näht für die Frau und die Kinder jetzt
Macht Hosen und Rock, Neues aus alten Dingen
Näht Kleider und Mützen für das Dorf
Aus den Stoffresten, die ihm die Leute bringen
Sie kommen gern auf einen kleinen Schwatz herein
Wenn sie das fertige Stück bei ihm abholen
Sie loben die Arbeit und zahlen den Lohn
Und durch die Küchentür blicken sie verstohlen
In die Stube: Da hängt er fein säuberlich
Ein Meisterstück Stich für Stich
Vaters Mantel
Vaters Mantel
Ich sehe ihn vor mir im Schneidersitz
Um ihn herum verstreut Schnipsel und Stoffreste
Das Maßband ausgerollt um seinen Hals
Bunte Fäden wie Orden auf seiner Weste
Er hat mir den Mantel geschenkt, als er
Ihm groß geworden war in späten Jahren
Er hat mich geadelt mit dem Geschenk
Und dem Vertrauen, ihn in Ehren zu bewahren
Das gute Tuch, neu wie am ersten Tag
Die Stulpen am Ärmel, der aufrechte Kragen
Ich trag ihn und trag die Erinnerung
An den Schneider an ganz besonderen Tagen
Mit Erfurch, Freude und feierlich
Ich bin mir bewusst, heut trage ich
Vaters Mantel
Mit Erfurcht, Freude und feierlich
Ich bin mir bewusst, heute trage ich
Vaters Mantel
Ich habe eine große Bewunderung und eine aufrichtige Hochachtung
Für alle Menschen, die ihre Arbeit mit Lust und Liebe und mit Hingabe tun
Und wenn sie sie dann auch noch für mich tun
Dann mischt sich etwas wie zärtliche Dankbarkeit in die Bewunderung
Wie für meinen Schwiegervater, der mir diesem prächtigen Mantel geschenkt hat
Wie für die Näherin, die mir mein schönes Hemd genäht hat
Und wie für die Friseurin, die mir diesen trendigen Haarschnitt verpasst hat
Bereits im März dieses Jahres
Und er hält immernoch! Das ist Wertarbeit
Ich werde es weitergeben
Das nenn ich Nachhaltigkeit bei der Frisur
Ich habe eine Bewunderung für den Meister, der aus ein paar Stücken Holz dieses wunderbare Instrument geschnitzt hat
Bewunderung, für alle die ihren Weg gehen, die ein Ziel haben, die eine Vision haben und die an ihren Idealen festhalten
Und wenn sie daran scheitern, dann tut es meiner Bewunderung und meiner Hochachtung keinen Abbruch
Aus diesen Gedanken hab ich vor ein paar Jahren ein Lied über Otto Lilienthal
Den ersten Menschen, der fliegen konnte geschrieben
⏱️ Synced Lyrics
[00:01.64] Vaters Mantel
[00:03.03]
[00:09.92] Er sitzt auf dem Küchentisch im Schneidersitz
[00:12.77] In der kleinen Küche, verstreut um ihn liegen
[00:15.58] Kreide, Stoffbahnen, Schnipsel und Garn
[00:18.21] Er summt vor sich hin und seine Hände fliegen
[00:21.94] Sie führen Nadel und Faden geschickt
[00:24.50] Pfeilschnell und wohlbedacht durch das Gewebe
[00:26.97] Hebt die Hand, hält inne, hält Nadel und Garn
[00:29.46] Für einen prüfenden Blick in der Schwebe
[00:33.87] Die Kinder kennen das Bild nur zu gut
[00:36.27] Das Zuschneiden, Auftrennen, Nähen und Messen
[00:38.73] Sie woll'n, dass der Tisch wieder ihnen gehört
[00:41.20] Für die kurze Zeit vor dem Abendessen
[00:44.93] Und sie fragen die Mutter, was näht er denn grad'
[00:47.60] Und die Mutter flüstert, fast als wär's ein Verrat:
[00:52.12] Vaters Mantel
[00:57.23] Vaters Mantel
[01:05.34] Er näht ihn aus schweren kostbaren Tuch
[01:08.04] Er näht ihn für immer, er näht ihn mit Liebe
[01:10.82] Das hat er gelernt, als er vierzehn war
[01:13.26] Und noch immer spürt er die Rohrstockhiebe
[01:16.98] Wenn der Meister in blinden Zorn geriet
[01:19.26] Weil ein Muster sich nicht in ein Muster fügte
[01:22.29] Unsichtbar, kaum einen Faden breit
[01:24.37] Und das kleinste Versehen mit Schlägen rügte
[01:28.25] Vom ersten Tageslicht bis in die Nacht
[01:30.78] Und keinen Feiertag gab's bei dem Schinder
[01:33.14] Zu fünft waren sie und sie nähten für ihn
[01:35.72] Zu fünft und sie waren noch allesamt Kinder
[01:40.02] Die Nähstube kalt und der Lohn jämmerlich
[01:42.38] Aber diesen Mantel, den näht er für sich
[01:46.87] Vaters Mantel
[01:51.64] Vaters Mantel
[01:59.36] Zu Haus acht Geschwister in karger Zeit
[02:01.85] Er bringt sie durch mit dem Geschick seiner Hände
[02:04.54] Näht, bügelt, wäscht für sie und er füllt
[02:07.10] Ihre Teller, wenn's eng wird zum Monatsende
[02:11.26] Er heftet den Kragen an das Revers
[02:13.61] Um das Fischgrätmuster genau anzusetzen
[02:15.97] Zieht das seidige Futter ein und er sieht
[02:18.13] Sich heimkehren aus dem Krieg in einem Fetzen
[02:22.08] Sieht sich im gottverlassenen Unterstand
[02:24.41] Noch für all die andern armen Teufel nähen
[02:27.45] Fußlappen aus Fahnen und Uniform
[02:29.82] Auf denen sie jetzt in Gefangenschaft gehen
[02:33.92] Den Krümel Tabak teilt er brüderlich
[02:36.66] Aber diesen Mantel, den näht er für sich
[02:40.76] Seinen Mantel
[02:45.65] Vaters Mantel
[02:53.51] Er hat ihn betrachtet mit stillem Stolz
[02:55.97] Die Stulpen am Ärmel, der aufrechte Kragen
[02:58.32] Die Knöpfe, die Patten, die schnurgrade Naht
[03:01.29] Im Dorf hat noch keiner so einen getragen
[03:05.13] Er näht für die Frau und die Kinder jetzt
[03:07.52] Macht Hosen und Rock, Neues aus alten Dingen
[03:09.87] Näht Kleider und Mützen für das Dorf
[03:12.29] Aus den Stoffresten, die ihm die Leute bringen
[03:16.30] Sie kommen gern auf einen kleinen Schwatz herein
[03:18.51] Wenn sie das fertige Stück bei ihm abholen
[03:21.22] Sie loben die Arbeit und zahlen den Lohn
[03:23.52] Und durch die Küchentür blicken sie verstohlen
[03:27.70] In die Stube: Da hängt er fein säuberlich
[03:30.49] Ein Meisterstück Stich für Stich
[03:34.86] Vaters Mantel
[03:39.66] Vaters Mantel
[03:47.44] Ich sehe ihn vor mir im Schneidersitz
[03:49.71] Um ihn herum verstreut Schnipsel und Stoffreste
[03:52.47] Das Maßband ausgerollt um seinen Hals
[03:55.81] Bunte Fäden wie Orden auf seiner Weste
[04:00.12] Er hat mir den Mantel geschenkt, als er
[04:02.24] Ihm groß geworden war in späten Jahren
[04:05.04] Er hat mich geadelt mit dem Geschenk
[04:07.31] Und dem Vertrauen, ihn in Ehren zu bewahren
[04:11.15] Das gute Tuch, neu wie am ersten Tag
[04:13.98] Die Stulpen am Ärmel, der aufrechte Kragen
[04:16.73] Ich trag ihn und trag die Erinnerung
[04:18.96] An den Schneider an ganz besonderen Tagen
[04:22.75] Mit Erfurch, Freude und feierlich
[04:25.60] Ich bin mir bewusst, heut trage ich
[04:29.83] Vaters Mantel
[04:32.56] Mit Erfurcht, Freude und feierlich
[04:35.27] Ich bin mir bewusst, heute trage ich
[04:40.25] Vaters Mantel
[05:03.46] Ich habe eine große Bewunderung und eine aufrichtige Hochachtung
[05:08.50] Für alle Menschen, die ihre Arbeit mit Lust und Liebe und mit Hingabe tun
[05:13.47] Und wenn sie sie dann auch noch für mich tun
[05:15.43] Dann mischt sich etwas wie zärtliche Dankbarkeit in die Bewunderung
[05:20.30] Wie für meinen Schwiegervater, der mir diesem prächtigen Mantel geschenkt hat
[05:25.87] Wie für die Näherin, die mir mein schönes Hemd genäht hat
[05:29.05] Und wie für die Friseurin, die mir diesen trendigen Haarschnitt verpasst hat
[05:34.82] Bereits im März dieses Jahres
[05:37.90] Und er hält immernoch! Das ist Wertarbeit
[05:41.95] Ich werde es weitergeben
[05:46.61] Das nenn ich Nachhaltigkeit bei der Frisur
[05:50.87] Ich habe eine Bewunderung für den Meister, der aus ein paar Stücken Holz dieses wunderbare Instrument geschnitzt hat
[05:57.91] Bewunderung, für alle die ihren Weg gehen, die ein Ziel haben, die eine Vision haben und die an ihren Idealen festhalten
[06:05.56] Und wenn sie daran scheitern, dann tut es meiner Bewunderung und meiner Hochachtung keinen Abbruch
[06:12.58] Aus diesen Gedanken hab ich vor ein paar Jahren ein Lied über Otto Lilienthal
[06:16.89] Den ersten Menschen, der fliegen konnte geschrieben
[06:19.37]
[00:03.03]
[00:09.92] Er sitzt auf dem Küchentisch im Schneidersitz
[00:12.77] In der kleinen Küche, verstreut um ihn liegen
[00:15.58] Kreide, Stoffbahnen, Schnipsel und Garn
[00:18.21] Er summt vor sich hin und seine Hände fliegen
[00:21.94] Sie führen Nadel und Faden geschickt
[00:24.50] Pfeilschnell und wohlbedacht durch das Gewebe
[00:26.97] Hebt die Hand, hält inne, hält Nadel und Garn
[00:29.46] Für einen prüfenden Blick in der Schwebe
[00:33.87] Die Kinder kennen das Bild nur zu gut
[00:36.27] Das Zuschneiden, Auftrennen, Nähen und Messen
[00:38.73] Sie woll'n, dass der Tisch wieder ihnen gehört
[00:41.20] Für die kurze Zeit vor dem Abendessen
[00:44.93] Und sie fragen die Mutter, was näht er denn grad'
[00:47.60] Und die Mutter flüstert, fast als wär's ein Verrat:
[00:52.12] Vaters Mantel
[00:57.23] Vaters Mantel
[01:05.34] Er näht ihn aus schweren kostbaren Tuch
[01:08.04] Er näht ihn für immer, er näht ihn mit Liebe
[01:10.82] Das hat er gelernt, als er vierzehn war
[01:13.26] Und noch immer spürt er die Rohrstockhiebe
[01:16.98] Wenn der Meister in blinden Zorn geriet
[01:19.26] Weil ein Muster sich nicht in ein Muster fügte
[01:22.29] Unsichtbar, kaum einen Faden breit
[01:24.37] Und das kleinste Versehen mit Schlägen rügte
[01:28.25] Vom ersten Tageslicht bis in die Nacht
[01:30.78] Und keinen Feiertag gab's bei dem Schinder
[01:33.14] Zu fünft waren sie und sie nähten für ihn
[01:35.72] Zu fünft und sie waren noch allesamt Kinder
[01:40.02] Die Nähstube kalt und der Lohn jämmerlich
[01:42.38] Aber diesen Mantel, den näht er für sich
[01:46.87] Vaters Mantel
[01:51.64] Vaters Mantel
[01:59.36] Zu Haus acht Geschwister in karger Zeit
[02:01.85] Er bringt sie durch mit dem Geschick seiner Hände
[02:04.54] Näht, bügelt, wäscht für sie und er füllt
[02:07.10] Ihre Teller, wenn's eng wird zum Monatsende
[02:11.26] Er heftet den Kragen an das Revers
[02:13.61] Um das Fischgrätmuster genau anzusetzen
[02:15.97] Zieht das seidige Futter ein und er sieht
[02:18.13] Sich heimkehren aus dem Krieg in einem Fetzen
[02:22.08] Sieht sich im gottverlassenen Unterstand
[02:24.41] Noch für all die andern armen Teufel nähen
[02:27.45] Fußlappen aus Fahnen und Uniform
[02:29.82] Auf denen sie jetzt in Gefangenschaft gehen
[02:33.92] Den Krümel Tabak teilt er brüderlich
[02:36.66] Aber diesen Mantel, den näht er für sich
[02:40.76] Seinen Mantel
[02:45.65] Vaters Mantel
[02:53.51] Er hat ihn betrachtet mit stillem Stolz
[02:55.97] Die Stulpen am Ärmel, der aufrechte Kragen
[02:58.32] Die Knöpfe, die Patten, die schnurgrade Naht
[03:01.29] Im Dorf hat noch keiner so einen getragen
[03:05.13] Er näht für die Frau und die Kinder jetzt
[03:07.52] Macht Hosen und Rock, Neues aus alten Dingen
[03:09.87] Näht Kleider und Mützen für das Dorf
[03:12.29] Aus den Stoffresten, die ihm die Leute bringen
[03:16.30] Sie kommen gern auf einen kleinen Schwatz herein
[03:18.51] Wenn sie das fertige Stück bei ihm abholen
[03:21.22] Sie loben die Arbeit und zahlen den Lohn
[03:23.52] Und durch die Küchentür blicken sie verstohlen
[03:27.70] In die Stube: Da hängt er fein säuberlich
[03:30.49] Ein Meisterstück Stich für Stich
[03:34.86] Vaters Mantel
[03:39.66] Vaters Mantel
[03:47.44] Ich sehe ihn vor mir im Schneidersitz
[03:49.71] Um ihn herum verstreut Schnipsel und Stoffreste
[03:52.47] Das Maßband ausgerollt um seinen Hals
[03:55.81] Bunte Fäden wie Orden auf seiner Weste
[04:00.12] Er hat mir den Mantel geschenkt, als er
[04:02.24] Ihm groß geworden war in späten Jahren
[04:05.04] Er hat mich geadelt mit dem Geschenk
[04:07.31] Und dem Vertrauen, ihn in Ehren zu bewahren
[04:11.15] Das gute Tuch, neu wie am ersten Tag
[04:13.98] Die Stulpen am Ärmel, der aufrechte Kragen
[04:16.73] Ich trag ihn und trag die Erinnerung
[04:18.96] An den Schneider an ganz besonderen Tagen
[04:22.75] Mit Erfurch, Freude und feierlich
[04:25.60] Ich bin mir bewusst, heut trage ich
[04:29.83] Vaters Mantel
[04:32.56] Mit Erfurcht, Freude und feierlich
[04:35.27] Ich bin mir bewusst, heute trage ich
[04:40.25] Vaters Mantel
[05:03.46] Ich habe eine große Bewunderung und eine aufrichtige Hochachtung
[05:08.50] Für alle Menschen, die ihre Arbeit mit Lust und Liebe und mit Hingabe tun
[05:13.47] Und wenn sie sie dann auch noch für mich tun
[05:15.43] Dann mischt sich etwas wie zärtliche Dankbarkeit in die Bewunderung
[05:20.30] Wie für meinen Schwiegervater, der mir diesem prächtigen Mantel geschenkt hat
[05:25.87] Wie für die Näherin, die mir mein schönes Hemd genäht hat
[05:29.05] Und wie für die Friseurin, die mir diesen trendigen Haarschnitt verpasst hat
[05:34.82] Bereits im März dieses Jahres
[05:37.90] Und er hält immernoch! Das ist Wertarbeit
[05:41.95] Ich werde es weitergeben
[05:46.61] Das nenn ich Nachhaltigkeit bei der Frisur
[05:50.87] Ich habe eine Bewunderung für den Meister, der aus ein paar Stücken Holz dieses wunderbare Instrument geschnitzt hat
[05:57.91] Bewunderung, für alle die ihren Weg gehen, die ein Ziel haben, die eine Vision haben und die an ihren Idealen festhalten
[06:05.56] Und wenn sie daran scheitern, dann tut es meiner Bewunderung und meiner Hochachtung keinen Abbruch
[06:12.58] Aus diesen Gedanken hab ich vor ein paar Jahren ein Lied über Otto Lilienthal
[06:16.89] Den ersten Menschen, der fliegen konnte geschrieben
[06:19.37]